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Dienstag, 7. Februar 2012

Region baut auf gute Architektur - Artikel in der Pforzheimer Zeitung am 03.02.2012

Preis für „Beispielhaftes Bauen“ in Pforzheim und dem Enzkreis vergeben.
20 vorbildliche Gebäude werden im Landratsamt ausgestellt.

Beispielhaftes geleistet: 20 Architekten wurden für „Beispielhaftes Bauen“ in Pforzheim und dem Enzkreis ausgezeichnet. Landrat Karl Röckinger (hellbraunes Jacket) hatte die Schirmherrschaft für den Wettbewerb der Architekturkammer Baden-Württemberg übernommen @Pforzheimer Zeitung
Zeige mir, wie Du baust und ich sage Dir, wer Du bist.“ – dieses Zitat von Christian Morgenstern aus dem 19.Jahrhundert griff Karl Röckinger bei der Preisverleihung des Architekturwettbewerbs „Beispielhaftes Bauen Enzkreis und Stadt Pforzheim 2004 bis 2011“ auf. Der Landrat war Schirmherr des von der Architekturkammer Baden-Württemberg ausgerufenen Wettbewerbes. 80 Architekten waren dem Aufruf „Zeige mir, wie Du baust“ gefolgt.
Nun zeichnete die Architektin und Jury-Vorsitzende Wallie Heinisch aus Stuttgart in der „Alten Schmiede“ in Pforzheim Bauherren und Architekten aus, die mit ihren gutgestalteten Bauwerken weitere Impulse für die positive Entwicklung der Baukultur im Landkreis geben.
Dabei gehe es nicht darum, möglichst spektakulär, innovativ und laut zu sein, erklärte Heinisch. Sondern darum, im Dialog zu stehen mit der Nachbarschaft. „Was nicht unbedingt harmonisieren heißen muss, sondern räumliche Entwicklungsziele aufgreifen und interpretieren.“
Insgesamt wurden von der Jury 20 Gebäude als beispielhaft gekürt – darunter Wohnhäuser, Mehrzweckhallen, Industriebauten und en Gartengelände. Neben Heinisch gehörten der Pforzheimer Bildhauer René Dantes, der Vizelandrat Wolfgang Herz, der Architekt Markus Müller aus Meckenbeuren, Matthias Schuster, Landesvorstand der Architektenkammer Baden-Württemberg , Architekt Fritz Wilhelm aus Lörrach und der geschäftsführende Verleger der „Pforzheimer Zeitung, Thomas Satinsky, der Jury an
Karl Röckinger nahm in seinem Grußwort die Bedeutung von gelungener Architektur im Landkreis und der Stadt Pforzheim auf. „Bauwerke sind keine Konsumartikel. Sie sind Zeugnisse der kulturellen Identität mindestens einer ganzen Generation, manchmal sogar einer ganzen Epoche“, erklärte er.
Autor: Bärbel Schierling Pforzheim/Enzkreis

Samstag, 4. Februar 2012

Die Gärten der Altatec GmbH erhalten einen Preis für beispielhaftes Bauen

Um das Bewusstsein für die Baukultur im Alltag zu schärfen, lobt die Architektenkammer Baden-Württemberg seit Jahren die Auszeichnungsverfahren "Beispielhaftes Bauen" aus. Ziel ist es, beispielhafte Architektur im konkreten Lebenszusammenhang aufzuspüren und Architekten und Bauherren für ihr gemeinsames Engagement auszuzeichnen.

Die Sieger des Architekturwettbewerbs "Beispielhaftes Bauen Enzkreis und Stadt Pforzheim 2004-2011" wurden am Donnerstagabend den 02. Februar 2012 in einer Feierstunde geehrt. Von 80 Einsendungen konnte die siebenköpfige Jury 20 Objekte prämieren - vom Wohnhaus, über die Mehrzweckhalle bis zum Industriebau.

An einem der ausgezeichneten Projekte war ich auch beteiligt: "Die Gärten der Altatec". Deshalb durfte ich auch mit zur Preisverleihung.


Begründung der Jury: Die Freiraumgestaltung des Unternehmens wird als integraler Bestandteil der Gesamtkonzeption verstanden und mit großen Ambitionen umgesetzt. Die Ausbildung der Retentionsbereiche und die ansprechende Gestaltung der Randbereiche stärken das Erscheinungsbild des Unternehmens und schaffen insbesondere eine Aufwertung des öffentlichen Raums. Wenngleich das gestalterische Repertoire der Themenflächen manieriert erscheint, ist die Gesamtkonzeption beispielhaft für einen engagierten Umgang mit der gebauten Umwelt und schafft einen Mehrwert für alle.

Hier gehts zur Gesamtansicht und der Objektbeschreibung:

http://www.akbw.de/architektur/beispielhaftes-bauen/praemierte-objekte/detailseite/objekt_datenbank/single/detail////die-grten-der-altatec-gmbh-1287.html



Die Gärten der Altatec

Die feierliche Übergabe der Preise fand in einem der prämierten Gebäude, dem Bürgerhaus "alte Schmiede" in Pforzheim statt. Eine tolle Atmosphäre. Die Ansprachen haben mir gut gefallen - vor allem der Spruch: "GUTE Architektur ist erstarrte MUSIK". Es wurde immer wieder darauf eingegangen, wie wichtig der umbaute RAUM für den Menschen ist, der darin lebt und arbeitet. Das hat mir an den meisten der ausgezeichneten Projekte auch gefallen.
Die Ausstellung ist noch 2 Wochen im Landratsamt Pforzheim zu besichtigen.


Bauherr: Jean-Marie Wyss, GF Produktion Altatec GmbH, Wimsheim (rechts im Bild)
Architekt: Dipl.Ing. Jörg Steinbrink, Steinbrink-Krumpe Architekten + Stadtplaner gbR, Stuttgart


Die Plakette


Bei der Preisübergabe: Jean Marie Wyss, Dipl. Ing. Jörg Steinbrink,
Landrat Karl Röckinger, Juryvorsitzende Wallie Heinisch

Montag, 12. September 2011

Grüne Architektur „down under“ - Australiens erstes Bürohochhaus mit zweischaliger Fassade.

Foto: Stuttgarter Nachrichten
Gestern las ich in der Welt am Sonntag einen sehr interessanten Artikel über den Architekten Christoph Ingenhoven. Er ist bestimmt vielen bekannt als Architekt des neuen Stuttgart 21. Mir gefällt seine Art und Weise "Greenbuilding" konsequent durchzusetzen. Eine eigene Kläranlage im Keller, eine doppelschalige Glasfassade, die Klimaanlagen teilweise überflüssig macht und die Erzeugung umweltfreundlicher Energien sind nur ein Teil seiner Philosophie. Ich wünsche mir mehr solcher Häuser und mehr solcher Architekten.

1 Bligh, wie das Gebäude nach seiner Lage an der Bligh Street heißt, ist das umweltfreundlichste Hochhaus Australiens. Das 30-stöckige elliptische Gebäude verfügt als erstes Hochhaus des Landes über eine doppelschalige Glasfassade und kann aufgrund seiner natürlichen Belüftung sogar im tropischen Klima von Sydney teilweise auf eine Klimaanlage verzichten.

Eine Solaranlage auf dem Dach und ein auf Erdgas basierendes System erzeugen die umweltfreundliche Energie für Kühlung, Heizung und Strom. Ein riesiges Atrium, das sich über alle 30 Geschosse erstreckt und das höchste Australiens ist, lässt die überschüssige erwärmte Luft aus den umliegenden Büros nicht ungenutzt verpuffen, sondern dient als natürliche Wärmeressource für die riesige Eingangshalle. Die Decken der einzelnen Geschosse können thermisch aktiviert und durch zirkulierendes Wasser gekühlt werden.

 Für das unter chronischem Wassermangel leidende Australien wurde in 1 Bligh sogar eigens eine Mini-Kläranlage im Keller installiert, die Wasser in trinkwasserähnlicher Qualität erzeugt und mehr Wasser klärt, als im Haus anfällt. 300 Fahrradstellplätze sollen den Mitarbeitern zudem eine energiesparende und gesunde An- und Abfahrt zur Arbeit ermöglichen. Und damit deren Ästhetik bei Arbeitsbeginn nicht leidet, wurden 300 Duschplätze eingebaut.
 

Foto: worldarchitecturenews.com
Ausgezeichnet mit der 6 Star World Leadership"-Zertifizierung -Standards Green Star.Der Düsseldorfer Architekt Christoph Ingenhoven hat gemeinsam mit dem australischen Büro Architectus das Hochhaus geplant, das von den australischen Medien viel Lob bekam und schon jetzt zum zweiten Architektur-Highlight der Stadt nach dem berühmten Opernhaus von Jørn Utzon gezählt wird.

Das Gebäude setzt mit seiner schwingenden Form in ästhetischer Hinsicht ein Ausrufezeichen in Sydneys wenig spektakulärer Skyline. Am Öko-Standard im Baugewerbe, da ist sich Christoph Ingenhoven sicher, führt weltweit kein Weg mehr vorbei. "Ganz einfach deshalb, weil sich künftig ohne Zertifizierung kein Gebäude mehr verkaufen lässt", sagt der Architekt. "Wenn ein Bauherr heute ein Bürogebäude baut und es nach fünf Jahren wieder verkaufen oder vermieten will, hat er überhaupt keine Chance, dies zu tun, wenn er nicht über eine sehr hohe Zertifizierung verfügt. Es sind allein ökonomische Gründe, die Zertifizierungen für Investoren interessant machen, das hat nichts mit grünem Idealismus zu tun."
Foto: worldachitecturenews.com
Ingenhoven, inzwischen ein Weltreisender in Sachen Green Building, hat das erste Öko-Hochhaus Japans gebaut, plant zurzeit in Singapur ein weiteres milliardenschweres grünes Hochhaus-Ensemble und will mit dem Neubau der Google-Zentrale in Kalifornien sein Meisterstück abliefern. Ingenhoven glaubt, dass sich weltweit das amerikanische LEED-Siegel durchsetzen wird. Nicht, weil es besser ist als andere Zertifizierungen, sondern weil die Amerikaner schneller waren als etwa die Deutschen mit ihrem DGNB-Siegel und das bessere Marketing betrieben haben.

Die größte Herausforderung bei der Planung seiner internationalen Bauten stellte für Christoph Ingenhoven der Bau der neuen Zentrale des Schmuckherstellers Swarovski am Zürichsee dar, die im vergangenen Jahr eingeweiht wurde. "Das Schweizer Minergie-Siegel verlangt dem Architekten noch viel mehr ab als das deutsche DGNB-Siegel", sagt er. Es hätte seiner Ansicht nach gute Chancen, sich in ökologisch orientierten Ländern wie Kanada oder Schweden als führendes Siegel durchzusetzen.
 Welt am Sonntag 11.09.2011 - Britta Nagel

Mittwoch, 24. November 2010

Feng Shui als Ausweg aus der Krise der Architektur


Seit dem 2. Weltkrieg hat sich in deutschen Innenstädten ein beispielloses architektonisches Chaos breit gemacht. Moderne Planer folgen nur noch Renditevorgaben und dem “technisch Machbaren”. Wir Menschen und unsere Sehnsucht nach Identität und Harmonie bleiben auf der Strecke. Gibt es einen Ausweg aus dieser Krise der modernen Architektur?
Volker Marx, Architekt und Lehrbeauftragter an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg (HfBK), hat gerade einen äußerst interessanten Artikel unter dem Titel “Feng Shui oder die Krise in der Architektur” veröffentlicht.
Darin gibt er einen Überblick über deutsche Baugeschichte der vergangenen Jahrhunderte. Bezug nehmend auf die stadtplanerischen Entwicklungen der letzten 50 Jahre attestiert Marx der modernen Architektur Beliebigkeit. Dies, so Marx, führt derzeit jedoch dazu, dass immer mehr Architekten nach Alternativen suchen, “nach neuer Harmonie”.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass wir in unserem Beitrag “Feng Shui im neuen Botanischen Garten Shanghai” über den deutschen Landschaftsarchitekten und Gestalter des neuen Botanischen Gartens in Chinas größter Metropole, Christoph Valentien, berichtet haben. Valentien verblüffte uns mit seiner offenbar während der Planungsarbeiten zum EXPO-Parkgelände erlangten Einsicht: “Man muss heute Stadt und Landschaft als Einheit betrachten”. Zu Recht vermuteten wir hier eine Rückbesinnung auf Architekturtraditionen, hervorgerufen durch eine intensive Auseinandersetzung mit der chinesischen Architekturgeschichte.

Während wir im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Christoph Valentien bei ZEIT ONLINE noch selbst “das Kind beim Namen nennen” mussten, leitet Volker Marx seinen Artikel über die Krise der Architektur unmittelbar mit einer kurzen Abhandlung über Herkunft und Entstehung des Feng Shui ein. Damit gibt er gleich zu Beginn die argumentative Stoßrichtung vor: Feng Shui wird hier als Ausweg aus der Krise der Architektur gesehen. Dies jedoch nicht in Form fremder Kultureinflüsse, sondern ebenso wie bei Valentien als Rückbesinnung auf die eigene und somit europäische Architekturtradition.

Von der originären Aufgabe eines Architekten
Volker Marx ruft in seinem Beitrag noch einmal in Erinnerung, worin eigentlich die originäre Aufgabe eines Architekten besteht, nämlich darin, “durch die Gestaltung des Umfeldes der Menschen eine Harmonie mit der Umgebung herzustellen”.

Diese Aussage gilt sowohl für die Gestaltung von Gebrauchsgegenständen als auch für “Gedanken zu den Umständen des Lebens und der Gesundheit bis zum Konzept für ganze Städte, einschließlich der zugehörigen Landschaft”. Laut Marx spielen hierbei übrigens psychologische Analysen, Gedanken zur Art des Lebens und Arbeitens der potenziellen Bewohner, bis hin zu Einflüssen von Anlagen und Gebäuden auf die Umwelt eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Diese Grundsatzüberlegungen zum Leben in der Industriegesellschaft hat sich Marx nicht selbst ausgedacht, sondern sie sind -- und dies wussten wir bis zum heutigen Tage auch nicht -- bereits 1933 anlässlich der CIAM in der Charta von Athen niedergeschrieben. Noch im Bauhaus bis zum Ende der 30er Jahre wurde an der Akademie in Dessau versucht, die Vorgaben der Charta von Athen bis ins Detail umzusetzen. Die Ausbildung der Architekten erfolgte gemeinsam mit Künstlern, Musikern und Tänzern, mit Philosophen und Literaten. Auf diese Weise sollte der neuen industriellen Welt “eine menschliche Gestalt gegeben werden”.

Nach dem Krieg und mit dem Einsetzen des deutschen Wirtschaftswunders ist versäumt worden, eine geordnete Neugestaltung der zerstörten Innenstädte nach den Gedanken der Charta vorzunehmen. Der explodierende Individualverkehr, das Bedürfnis nach schnellem Aufbau von Wohn- und Arbeitsräumen und nicht zuletzt neue technische Möglichkeiten, die moderne Großprojekte beispiellosen Ausmaßes ermöglichten, führten schließlich zu einem formalen Chaos in der Architektur und darüber hinaus auch in vielen anderen Bereichen von Kunst und Kutlur.

Laut Marx setzt sich dieses “Chaos” bis in die heutige Zeit fort: “Die Masse der Planer, Architekten und Designer scheint hilflos und völlig dem Zwang des alltäglichen Erfüllens von Renditewünschen und schnellen Ergebnissen unterworfen.” Doch wie wir auch schon an Christoph Valentien gesehen haben, scheint nun ein erstes Umdenken im Gange zu sein. Bereits auf einem der größten Architektenforen in Dessau 1994, auf dem auch Architekturgrößen wie Peter Eisenman (Mahnmal in Berlin), Christoph Ingenhoven (Bahnhof Stuttgart 21) oder Zaha Hadid (Feuerwache in Weil) die Visionen ihrer Moderne vorstellten, wurden Stimmen laut, die beklagten, wie sehr die Architekten der heutigen Zeit der “Realität” unterworfen sind.

Standardschachteln für nicht artgerechte Menschenhaltung
Gebaut werden muss heutzutage das, was überhaupt angeboten wird bzw. was technisch möglich ist. Gelegenheit, “sich mit menschlichen Bedürfnissen, harmonischer Gestaltung der Umwelt oder einer sinnvollen städtebaulichen Entwicklung zu befassen”, gibt es viel zu selten. Betrachtet man allein die Planung und den Bau von Einfamilienhäusern, wird das ganze Ausmaß an Rationalisierung und Unterordnung unter die technischen Bedürfnisse unserer Industriegesellschaft deutlich. Nur fünf Prozent aller Einfamilienhäuser werden heute noch von Architekten geplant. Der Rest ist vom “Markt von der Industrie der Standardschachteln für nicht artgerechte Menschenhaltung überschwemmt”.

Am Ende argumentiert Volker Marx fast gänzlich in unserem Sinne sehr pointiert: “Die Menschen, die in diesen Städten und wie mit Krebs befallenen Dörfern leben müssen, suchen dann ganz logisch nach der fehlenden Harmonie, greifen dann auch zu exotischen Quellen wie Feng Shui.” Mit anderen Worten: Wenn die Stadtplaner und Architekten der Moderne ihrer eigentlichen Verantwortung, ja sogar Pflicht nachkommen würden, ein Gleichgewicht zwischen Lebens- und Arbeitsraum der Menschen und der Umwelt herzustellen, bräuchten die Menschen hierzulande kein Feng Shui.

Dieses “Beinahe-Fazit” greift natürlich zu kurz. Wir sparen uns an dieser Stelle aber den Widerspruch, denn im Grunde ist es uns egal, auf welche Weise und mit welchem Etikett beklebt “die neue Harmonie” in unsere Innenstädte, Häuser und Wohnungen einzieht, Hauptsache sie hält überhaupt irgendwann Einzug. Aus diesem Grunde unterstützen wir natürlich diese Entwicklung und danken Volker Marx für seinen sehr gelungenen Beitrag.

Quelle: www.everyday-feng-shui.de